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Hinter den Kulissen der DRK-Tagespflegen

Warum die Tagespflegen in Bad Münder, Hameln und Hessisch Oldendorf für ältere Menschen unverzichtbar sind – und warum ihre Zukunft von politischen Entscheidungen abhängt.

Kurz nach halb neun liegt der Duft von frisch gebackenem Kuchen für den Nachmittag in der Luft. Während am Frühstückstisch noch gemeinsam gegessen wird, diskutieren die ersten Gäste bereits über die Schlagzeilen des Tages. Ob in Bad Münder, Hameln oder Hessisch Oldendorf – der Morgen beginnt in den DRK-Tagespflegen oft ähnlich. Und doch hat jeder Standort seinen eigenen Charakter.

Tagespflege schafft soziale Kontakte, Struktur und Lebensfreude. Sie ermöglicht älteren Menschen ein möglichst langes Leben zuhause und entlastet Angehörige im Alltag. Die DRK-Gesellschaft für soziale Einrichtungen Weserbergland gGmbH betreibt drei Tagespflegen in Bad Münder, Hameln und Hessisch Oldendorf mit einem gemeinsamen Ziel: älteren Menschen Gemeinschaft, Aktivität und Lebensqualität zu bieten.

„Pflege bedeutet Nähe und gleichzeitig Professionalität. Beides muss Hand in Hand gehen“, sagt Francesca Kontusch, Leiterin der DRK-Tagespflege in Bad Münder.

Auch Daniela Steffen kennt die Tagespflege von Grund auf. Seit 2015 arbeitet sie in der DRK-Tagespflege Hameln, die sie seit 2020 leitet. Gemeinsam mit ihrem 15-köpfigen Team begleitet sie täglich bis zu 17 Gäste. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück und endet mit einem Abendsnack. Dazwischen stehen frisch gekochtes Essen, selbst gebackener Kuchen und gemeinsame Aktivitäten auf dem Programm. Beliebt sind Ausflüge in die Hamelner Innenstadt, Spaziergänge an der Weser und der Wochenmarkt am Mittwoch. „Wir sind aber auch schon mit Regenjacken und Schirmen losgezogen“, sagt sie lachend. Viele Gäste besuchen die Tagespflege seit Jahren. „Oft entstehen hier Freundschaften, die weit über den Tag hinausgehen“, sagt Steffen.

In Hessisch Oldendorf leitet Timm Jürgens die Tagespflege seit ihrer Eröffnung 2008. Mit durchschnittlich 20 Gästen täglich ist sie die größte der drei Einrichtungen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist die zwölfstündige Öffnungszeit. Nach dem Frühstück folgen Bewegungsangebote, Gedächtnistraining und gemeinsame Aktivitäten. Mittags wird frisch gekocht, nachmittags gibt es Selbstgebackenes und abends eine kleine Mahlzeit. „Da wächst man sich sehr ans Herz“, sagt Jürgens. Manche Gäste kommen bereits seit über zehn Jahren regelmäßig in die Tagespflege. Besonders stolz ist Jürgens auf die Projekte „BeTa-Life“ mit der IKK classic, das mehr Bewegung in den Alltag bringen soll, sowie auf „Lebensbrücke“, eine Kooperation mit einem örtlichen Kindergarten. Kinder und Gäste basteln, kochen und backen gemeinsam. „Manchmal sitzt dann ein Kind auf dem Schoß eines Gastes im Elektrorollstuhl und darf sogar mal lenken. Das ist schon ein witziges Bild.“

„Unsere Gäste kommen nicht nur hierher, weil sie Unterstützung benötigen“, sagt Francesca Kontusch. „Sie kommen, weil sie am Leben teilnehmen wollen.“ Wie wichtig das ist, weiß auch Herr Specht aus Hameln. Seit Oktober 2025 besucht er die Tagespflege regelmäßig. „Die Tagespflege ist für mich wie eine zweite Familie geworden“, sagt er.

Auch Angehörige profitieren von dem Angebot. Eine Tochter, deren Mutter regelmäßig eine der DRK-Tagespflegen besucht, erinnert sich: „Am Anfang hatte ich ein total schlechtes Gewissen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass die Tagespflege viel mehr ist als Betreuung. Sie ist ein Treffpunkt für Gemeinschaft und Austausch.“ Heute sei ihre Mutter deutlich aktiver und ausgeglichener. „Sie ist richtig aufgeblüht. Und ich kann auch mal ohne schlechtes Gewissen Zeit für meine Familie oder mich selbst haben.“

Ein Vorteil, den viele Familien nicht kennen: Ab Pflegegrad 2 steht für die Tagespflege ein eigenes Budget der Pflegekasse zur Verfügung. Die Leistungen werden zusätzlich zum Pflegegeld oder zu ambulanten Pflegesachleistungen gewährt und kürzen bestehende Ansprüche nicht.

Gleichzeitig stehen die Einrichtungen unter wirtschaftlichem Druck. Steigende Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten treffen auch die Tagespflegen im Weserbergland. „Viele Menschen gehen davon aus, dass höhere Pflegeleistungen automatisch für Entlastung sorgen“, erklärt Thomas Müller, Geschäftsführer der DRK-Gesellschaft für soziale Einrichtungen Weserbergland gGmbH. „Tatsächlich werden diese Verbesserungen häufig sehr schnell von den steigenden Kosten aufgezehrt.“

Wie eng die Spielräume geworden sind, zeigt ein Beispiel: Für die Verpflegung eines Gastes stehen aktuell lediglich 5,46 Euro pro Tag zur Verfügung – für Frühstück, Mittagessen sowie Nachmittagskaffee und Kuchen. „Trotzdem backen wir jeden Tag frisch“, sagt Francesca Kontusch. „Nicht, weil es wirtschaftlich sinnvoll ist, sondern weil es nach Zuhause riecht und unseren Gästen etwas bedeutet.“

Zusätzliche Sorgen bereiten die Diskussionen um die Pflegereform und das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. „Angebote wie die Tagespflege sind ein wichtiger Teil der Lösung für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft“, sagt Müller. „Wenn Menschen möglichst lange zuhause leben sollen, dann müssen die Einrichtungen, die das ermöglichen, auch wirtschaftlich eine Zukunft haben.“

Möglich wird dies vor allem durch das Engagement der Mitarbeitenden, die in allen drei Einrichtungen täglich einen Ort voller Respekt, Würde und Lebensfreude schaffen. „Wir lachen viel“, sagt Daniela Steffen. „Gerade in einem Berufsfeld, das oft von Sorgen und Belastungen geprägt ist, ist Humor unglaublich wichtig.“

Wer sich selbst ein Bild von der Tagespflege machen möchte, kann das Angebot unverbindlich kennenlernen. Die DRK-Gesellschaft für soziale Einrichtungen Weserbergland gGmbH bietet in ihren Tagespflegen in Bad Münder, Hameln und Hessisch Oldendorf kostenlose Schnuppertage für Interessierte und Angehörige an. Daniela Steffen kennt die anfängliche Zurückhaltung vieler Menschen nur zu gut: „Viele haben anfangs etwas Angst vor Neuem. Aber wir sind hier wirklich offen und locker. Einfach mal vorbeikommen und einen Tag mitmachen. Bis jetzt wollte danach eigentlich niemand mehr seine Nachmittage wieder allein zuhause verbringen.“

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